Mein Bekenntnis zum Nerd- und Geektum

Mit diesem Blogeintrag komme ich dem Aufruf der Geeksisters nach und schreie es ins Internet hinaus: „Ich bin ein Nerd, holt mich hier raus!“ Ne, das war falsch. „Ich bin ein Nerd ‐ und das ist auch gut so!“

Zunächst möchte ich kurz klarstellen, dass die Begriffe Nerd und Geek eine gewisse Geschichte hinter sich haben und sich ihre Definitionen über die Zeit etwas verändert haben, aber ihr alter Ruf oft noch nachhängt. Was damals noch als Schublade für extreme Charaktere wie Steve Urkel oder Jerry Steiner (Parker Lewis ‐ Der coole von der Schule) diente, so sind die Bezeichnungen etwas aufgeweicht und von der Bedeutung auseinandergedriftet, obwohl viele immer noch beide Begriffe gleichsetzen und sie als Synonym verwenden. So versteht man zumeist unter einem Nerd einen Menschen, der sich sehr für technische Dinge wie Computer, Videospiele oder deren Programmierung interessiert. Wohingegen ein Geek ein Mensch ist, der etwas mit sehr großer Leidenschaft macht. Im Prinzip kann man also sagen, dass ein Nerd ein technikorientierter Geek ist. Geeks gibt es eigentlich in jedem Bereich. Populär sind die Comic Geeks, Game Geeks und Internet Geeks. Oft nicht als solche bezeichnet, gibt es beispielsweise auch die Star Trek, Book, Movie, LARP, Fashion oder Serien Geeks. Die Liste kann man bis ins Unendliche fortführen. Eine nette Liste hat The 56 Geeks Project (Auflistung der einzelnen Typen).

Was macht mich nun also zum Nerd & Geek?

Da gibt es viele Dinge. Zunächst bin ich seit meiner Kindheit ein absolut leidenschaftlicher Videospieler. Das fing mit einem Atari an, den mein Vater von einem Arbeitskollegen ausgeliehen bekommen hatte und später mit einem eigenen Amiga 500+ mit selbst eingelöteter Speichererweiterung, inklusive Ausfräsung für den Kippschalter neben dem Diskettenlaufwerk .oO(Hach ja, die guten alten 1,4 MB 2HD Scheiben). Spiele wie Barbarian, Moonstone, Bubble Bobble oder The Great Giana Sisters (ich bin schon sehr gespannt auf die Neuauflage) bleiben unvergessen!

Etwas später kam der Game Boy von Nintendo auf den Markt. Als ich die erste Werbung sah, musste ich unbedingt einen haben. Aber aus irgendeinem Grund haben meine Eltern das nicht gewollt. Zu meiner Erstkommunion habe ich dann von meinem Opa das Game Boy-Spiel Dr. Mario. Mit glänzenden Augen bin ich dann gleich zu meinen Eltern gerannt und sagte: „Ha! Jetzt MUSS ich einen Game Boy bekommen!“ Meine Eltern lachten. Denn einige Minuten später bekam ich als Sammelgeschenk meiner Onkel und Tanten auch noch den Game Boy.

Jahre danach schleppte mein Vater dann den ersten Familien-PC an: ein 486er DX 4 100 mit Turbo-Knopf. An diesem Power-Rechner spielte ich zu Beginn Spiele wie Commander Keen, Return to Casle Wolfenstein sowie Doom und Doom 2. Einige PCs später mündet es nach einer langen Zeit in einem selbst aufgezogenen Unreal Tournament Clan, einer etwas kürzeren Zeit mit der PlayStation 2 und einer noch kürzeren Zeit mit der Wii in vielen, vielen Stunden an der Playstation 3. Im Moment fesselt mich Borderlands 2, dessen Vorgänger mir schon mehrere 100 Stunden Spaß bescherte. Unmittelbar vor Borderlands 2 habe ich noch 475 Stunden in Diablo 3 investiert.

Eine weitere große Leidenschaft von mir sind Serien und Filme. Davon gibt es zu viele, unglaublich gute. Unangefochten an der Serienspitze thront Breaking Bad. Diese Serie hat mich absolut vom Hocker gehauen und gefesselt. Danach folgen Dexter, Firefly, Dr. House und Game of Thrones. Zu gerne erinnere ich mich aber auch an Serien, die ich in meiner Kindheit und Jugend geschaut habe: Saber Rider und die Starsheriffs, Mila Superstar, die Spezialisten Unterwegs, Friends, Captain N Der Game Master und, ganz wichtig, die Fernsehserie Batman, die damals noch samstags morgens im Sat.1 ausgestrahlt wurde. Ab und an bleibe ich an Wochenenden auch bis tief in die Nacht an Youtube kleben und durchforste es nach Anfangssequenzen der alten Serien.

Am meisten beeindruckt hat mich damals der Film Tron, der vor nicht allzu langer Zeit einen durchaus würdigen Nachfolger bekommen hat. Für die damalige Zeit (das Original ist von 1982!) war es technisch ein unheimlich gut gemachter Film, mit einem völlig neuen Setting und einer noch nie dagewesenen Art der visuellen Darstellung. Daneben gibt es natürlich noch diverse Klassiker wie der deutsche Film 23 ‐ Nichts ist so wie es scheint, War Games, Hackers, die großartige Triologie Zurück in die Zukunft  und, selbstredend, die Star Wars Reihe. Ein vermutlich nicht sonderlich bekannter Film, der mir auch richtig gut gefallen hat und definitiv in die Geek-Ecke eingeordnet werden muss, ist Brainscan: eine verstörende Reise durch das Gehirn eines Horrorfilm und Computer Geeks. Überhaupt mag ich Horror- und im besonderen die Trashfilme sehr gerne. An dieser Stelle sei die Webseite Nerdkino wärmstens empfohlen.

Nicht zu letzt macht mich wohl mein Job als Webanwendungsentwickler neben vielen weiteren Kleinigkeiten wie das Yoyo-Spielen (ich wurde sogar mal Sechster in der Sportsclass auf der Deutschen Meisterschaft) zu einem Nerd & Geek. Ich glaube abstreiten kann ich diese Titel definitiv nicht. Aber warum sollte ich das auch? Denn all diese Dinge bereiten mir große Freude.

Wie konnte es dazu kommen?

Ich kann das nicht wirklich an einem einzelnen Ereignis, einem Zeitpunkt oder dem Einfluss einer Person festmachen. Meinen ersten Kontakt mit etwas nerdigem hatte ich, wie vorhin schon erwähnt, als mein Vater eines Tages mit einem ausgeliehenen Atari und einige Zeit später dann mit einem Amiga 500+ von der Arbeit nach Hause kam. Der Commodore Amiga war zu meiner Grundschulzeit unglaublich populär. Sehr viele Freunde hatten zu Hause einen. Die Top-Thmen auf dem Pausenhof waren die Fortschritte bei Monkey Island und Indiana Jones. Wer alleine nicht weiterkam, der hat sich Tipps und Tricks in der Zeitschrift Amiga Joker geholt. Auch in meiner Familie waren Computer immer Thema. Egal ob bei einem Cousin, der an einem Computer ein „kleines“ Gerät angeschlossen hatte, das merkwürdige Piep-Gräusche von sich gab, oder einem Onkel, der einen eigenen Computerladen betrieben hat und immer das neuste und beste Zeug vorgeführt hat. Ich werde nie vergessen, wie beeindruckt ich war, als er mir an seinem High-End Rechner das Spiel Rebell Assault gezeigt hat.

Auf Anraten des besagten Cousins habe ich mich in der Realschule dann als Wahlpflichtfach für die Informatik entschieden. Als sich herausstellte, dass mir das Programmieren eines virtuellen kleinen Roboters mit Namen Niki liegt und der Lehrer mit Extra-Aufgaben für mich nicht hinterherkam, war der Rest meiner Laufbahn quasi vorgezeichnet und es nahm entsprechend seinen Lauf. Nach der Realschule ging es dann zur Fachhochschule für höhere Technik, woran sich eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration anschloss und nach einem Studium im Fachbereich Software Engineering in meinem jetzigen Job als Programmierer bzw. Webanwendungsentwickler mündet.

Und wie lebt es sich so als Nerd & Geek?

Auch wenn man überall hört, dass das Nerd- und Geektum dank des allgegenwärtigen Internets und allem, was daran angeschlossen ist, im Mainstream und Alltag angekommen ist, so kann ich nicht sagen, dass es immer leicht ist. Ich denke, dass es daran liegt, dass ich in einer Kleinstadt aufgewachsen bin und lebe. Hier scheinen mir die Nerds und Geeks nicht so präsent und akzeptiert bzw. selbstverständlich zu sein, wie es in den größeren Städten der Fall ist. Durch meinen Beruf gleicht sich das aber wieder recht gut aus. Die meisten Kollegen sind Nerds und Geeks; jeder auf seine eigene Weise und es gibt Dinge, über die sich nur die Nerds und Geeks amüsieren können. Bei dem einen sind es Memes, bei dem anderen sind es die neusten Trends und News in der Softwareentwicklung und bei wieder anderen sind es die Bronies.

Fast jeder spielt gerne Viedeospiele. Lediglich die Zeit, die man bereit ist dafür zu investieren, unterscheidet sich. Schon oft habe ich mit Freunden begonnen, verschiedene Spiele im Coop-Modus zu spielen. Jeder hat danach mit Begeisterung gesagt: „Das müssen wir unbedingt wiederholen und weiterspielen!“ Ich sag mal so: wenn ich mich auf diese Aussage verlassen würde, dann würde ich kein Spiel jemals zu Ende spielen. Wenn ich ein Spiel spiele, dann versinke ich in dieser Welt und will immer weiter spielen. Ja, stellenweise kann man das sicherlich als Sucht bezeichnen. In der Anfangszeit, wenn ein Spiel gerade frisch auf dem Markt ist, dann spiele ich es exzessiv. Das geht dann in der Regel nicht länger als eine Woche, da ich so ein Spiel meistens innerhalb eines Wochenendes ein Mal durchgespielt habe. Ab dann bin ich wieder für andere Dinge zu haben; zum Beispiel Spieleabende.

In meiner Jugend habe ich noch sehr viel Magic: The Gathering gespielt. Erst sehr spät stieß ich zu der Truppe von Klassenkameraden, die Das schwarze Auge und diverse weitere Pen & Paper Rollenspiele spielten. Bis auf ein paar einzelne Abenteuer und eine große Kampagne habe ich dort aber nicht so viel gespielt. Wen Brett- und Pen & Paper Spiele interessieren, dem möchte ich an dieser Stelle den TableTop-Channel von Geek & Sundry empfehlen, wo Will Wheaton wöchentlich großartige Spiele präsentiert. Aber auch die anderen Channel sind einen Blick wert! Besonders der Channel der Webserie The Guild von und mit der rothaarigen Nerd-Queen Felicia Day, die gerade in die sechste Runde gestartet ist – die Serie, nicht Felicia.

Eigentlich steckt doch in jedem auf die eine oder andere Art ein Geek. Bei einigen ist es etwas ausgeprägter, als bei anderen. Wichtig ist doch, dass jeder für irgendwas eine Leidenschaft hegt, der er oder sie auch nachgeht.

In diesem Sinne: We’re geeks together!

Ein Pingback/Trackback

  • Heldengalerie des Geektums Teil 1
    [...] Christian haben der erste Kontakt mit einem Atari und der Film Tron so fasziniert, dass er sich heute ohne weiteres Geek nennen kann. Sein Job als Webentwickler, seine Liebe zu Filmen und Serien sowie ein sechster Platz bei Yoyo-Meisterschaften (Respect!) sollten Beweis genug sein. [...]